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....Die
Organisation fur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das State Department
und ein UN-Offizier haben in den vergangenen Wochen immer wieder darauf
hingewiesen, dass die albanischen Separatisten der UCK in Mazedonien ethnische
Sauberungen gegen Mazedonier verubt haben. Die Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch" hat Menschenrechtsverletzungen albanischer
Extremisten, darunter Folter, Verstummelungen und sexuelle Gewalt, zusammengetragen.
In dieser Woche traten die albanischen Militaristen in die Fu?stapfen
der Taliban und sprengten ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert. ....Die
Guten aus dem vergangenen Jahr sind nun die Bosen.
....Abgebruhte
Balkan-Beobachter erstaunt das nicht. In zehn Jahren brutaler Gefechte
im einstigen Jugoslawien war es Mazedonien gelungen, unversehrt zu bleiben
- und dies ohne die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Nach Verhandlungen
zog die jugoslawische Armee friedlich ab, ein bewundernswerter Erfolg,
der vor allem Mazedoniens erstem Prasidenten Kiro Glogorow zu verdanken
ist. Es gab Spannungen (ein Attentat kostete Glogorow ein Auge und hinterlie?
einen Schrapnellsplitter in seinem Gehirn), aber keinen Krieg. Mehrmals
lobte die internationale Gemeinschaft die Regierung und die Menschen Mazedoniens,
die sich bemuhten, eine multiethnische Gesellschaft zu bewahren. Im Parlament
sa?en Parteien, die die ethnischen Minderheiten reprasentierten. Albanische
Parteien waren Koalitions-Partner in allen Regierungen seit der Unabhangigkeit;
zurzeit sind sechs der siebzehn Minister albanischer Abstammung. Es gibt
albanische Schulen, bald eroffnet eine albanische Universitat. Es gibt
Fernsehsender, Theater, Zeitungen in der Sprache der Minderheiten. Woraus
speist sich also die ethnische Gewalt der jungsten Zeit?
....Die
albanischen Militaristen behaupten, sie kampften fur die Menschenrechte,
ein Mantra, das sich in der Vergangenheit oft als siegreiches Argument
erwies. Diesmal aber werden die Menschenrechte nur als Vorwand benutzt,
um mit Waffengewalt neue Grenzen zu ziehen. Landbesetzungen, die Ermordung
von Zivilisten, eine Bombendrohung gegen das Parlamentsgebaude in Skopje
und ethnischen Sauberungen an der Mehrheit, den Mazedoniern, die in den
Konflikt-Gebieten in der Minderheit sind, weisen unubersehbar auf einen
Widerspruch hin: Kampft man fur die Anerkennung der Sprache mit Heckenschutzen?
(Darf einer in Los Angeles Polizisten toten, damit in der kalifornischen
Regierung Spanisch gesprochen wird?)
....Alte
Kameraden
....Die
ethnischen Sauberer" der UCK sind in der Regel alte Soldaten
der Kosovo-Befreiungs-Armee", die im Kosovo an der Seite der
Nato kampfte. Die meisten ihrer Waffen und Kampfer stammen aus dem von
der Nato verwalteten Kosovo. Der UN-Sicherheitsrat forderte vergangene
Woche, dass die KFOR und die Beamten der Mission der Vereinten Nationen
(Unmik) die Grenze scharfer bewachen. Amerikanische, europaische und Nato-Diplomaten
haben ein Friedensabkommen ausgehandelt, in dessen Mittelpunkt eine bessere
Garantie fur die Rechte der albanischen Minderheit steht, ihre Entwaffnung
vorausgesetzt.
....Doch
all dies geht am Kern der Sache vorbei: Die radikalen Albaner kampfen
um Land. Sie tun genau das, wovor viele Beobachter seit Jahren gewarnt
haben - sie arbeiten auf eine Eskalation der Gewalt hin, bis auch der
Durchschnittsburger radikalisiert ist. Obwohl die Diplomaten betonen,
dass sie mit der UCK nicht verhandeln werden, de facto legitimiert der
Westen das Toten im Namen eines Sprachen-Streits. Wie paradox!
....Das
verarmte Land, das einer der wichtigsten Stutzpunkte der Nato im Kampf
gegen Milosevics Jugoslawien und fur die Friedenserhaltung im Kosovo war
- und ist -, das Land, das 350000 Fluchtlinge aus dem Kosovo aufgenommen
hat, wird inzwischen zerrissen von den Anschlagen eben jener Revolverhelden,
die die Nato trainiert hat. Als sie gegen Milosevic kampften, haben viele
von ihnen Unterschlupf in Mazedonien gefunden. Mazedonien ist der Kollateralschaden
des Nato-Engagements auf dem Balkan. Die USA, Gro?britannien, Frankreich,
Deutschland und die Verbundeten hielten es fur zu gefahrlich, die UCK
im Kosovo ernsthaft zu entwaffnen, obwohl sie ihr Kosovo-Mandat dazu verpflichtete.
Leichensacke sind nicht sexy, und so entschied die Nato, dass die albanischen
Militaristen ihre westlichen Waffen behalten durfen, selbst wenn sie mit
ihnen Zivilisten im Kosovo ermorden.
....Nicht
nur die Nato, die gesamte Welt hat sich auf die Seite der gro?artigen
Sache", wie die albanischen Extremisten ihr Projekt nennen, geschlagen,
und diesen in ihren Sezessionsbestrebungen Auftrieb verschafft. Ethnische
Sauberungen und Landbesetzungen waren der nachste Schritt fur eine Neuordnung
der Grenzen. Jugoslawien hat uns in den vergangenen zehn Jahren gelehrt,
wohin das fuhrt. Langst konnten die Nato-Alliierten das Blutvergie?en
beenden und den Kollaps demokratischer Ideen in Europa verhindern, allerdings
nicht durch geheuchelte Appelle an beide Seiten".
....Kein
Konto unter dieser Nummer
....In
Mazedonien gibt es eine rechtma?ige Regierung, eine Polizei, eine Armee,
und es gibt Aggressoren. Die Nato, die Europaische Union und die Vereinigten
Staaten haben viel Druck auf Mazedonien ausgeubt, damit es sich nicht
selbst verteidigt. Aber dann ist der Aufstand aus dem Ruder gelaufen,
und die Desintegration des Landes ist ein Ergebnis des Friedensprozesses".
Im vergangenen Monat hat Prasident Bush den Befehl gegeben, die Konten
der UCK- Fuhrer zu sperren und ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten
zu verwehren; die europaischen Alliierten folgten ihm. Doch das ist offensichtlich
nicht genug.
....Wenn
der Westen eindeutig gegen die Neuordnung der Grenzen eintreten will,
wenn die Nato ihr Wort halten und ihre Alliierten nicht in der Not im
Stich lassen will, dann sollte sie gemeinsam mit den Vereinten Nationen
nicht nur die Waffen-Arsenale ausheben, sondern auch die Kriegstreiber
der UCK dorthin schicken, wohin Milosevic gegangen ist. Die UCK muss endgultig
gezwungen werden, Gewalt und Rebellion aufzugeben, bevor es weitere politische
Gesprache gibt. Und darauf sollte die Nato auch dann hinwirken, wenn es
ein nicht ganz so begrenztes militarisches Engagement erfordert - etwa
um die Rebellenfuhrer zu verhaften oder die Waffendepots auszuheben.
....In
jedem Fall sollte, da die Nato nun ohnehin in Mazedonien ist, die Entwaffnung
uber eine rein freiwillige" Aktion hinausgehen und umfassend
sein. Es gibt unterschiedliche Angaben uber die Anzahl der Waffen - sie
reichen von 2500 bis 85000 Stuck jeglicher Art. Falls notig, sollte die
Nato auch Gewalt gegen die ethnischen Sauberer" anwenden, wie
sie es in Jugoslawien getan hat. Wenn Amerika, Gro?britannien & Co
ihre Absicht nicht durchsetzen, konnten sie zu einer langjahrigen Besatzungsmacht
im souveranen Mazedonien werden. Die USA und ihre Alliierten haben die
moralische Verpflichtung, jene Soldaten, die sie selbst ausgerustet und
bewaffnet haben, daran zu hindern, Mazedonien in ein zweites Afghanistan
oder Kambodscha zu verwandeln, zwei traurige Beispiele von Kollateralschaden
nach einem amerikanischen Einsatz. Und schlie?lich kam das verhangnisvolle
Geschehen bekanntlich uberhaupt erst in Gang, als Deutschland Slowenien
und Kroatien uber Nacht anerkannt hat (wahrend es Bosnien und Mazedonien
ignorierte) - bevor die europaischen Alliierten oder Amerika zu einem
solchen Schritt bereit waren.
....Wir
haben in Bosnien gelernt, dass es langfristig die gro?ten Probleme schafft,
wenn man die ethnischen Sauberer gewahren lasst oder gar ermutigt. Oder,
wie der Anwalt in einem Hollywood-Witz dem Beklagten sagt: Gute
Nachrichten. Sie mussen nichts tun. Es ist nur eine moralische Verpflichtung."
Im Fall Mazedonien aber besteht auch eine realpolitische Verpflichtung.
....Der
Autor stammt aus Mazedonien. Sein Film Vor dem Regen" gewann
in Hollywood den Oscar und in Venedig den Goldenen Lowen. Sein neuer Film
Dust" wird am 29. August die diesjahrigen Filmfestspiele in
Venedig eroffnen.
....Deutsch
von Sonja Zekri
....http://szonnet.diz-muenchen.de/REGIS_A12871829
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